Some easy German poetry

August 7, 2010

A little while ago I made a recording for a good friend of mine who’s been learning German. The recording was of me reading a poem and explicating its vocabulary — all in German. The idea, for which I’m much obliged to Camille Cavalier-Karfis, is that even someone who’s just beginning to get to grips with the language should be able to follow what’s being said, and to develop their listening skills without having to torture themselves with listening to, say, the news in German.

The poem I chose is a very short and rather famous example of Goethe’s vers libre; one of the two poems to which he gave the title Wandrers Nachtlied, which he’s said to have carved into the wood of a hut somewhere while out walking.  The text of my recording follows. If any German speakers would be kind enough use to comment function to point out any errors the may find, I’d be much obliged.

Heute werde ich dir von dem Gedicht Wandrers Nachtlied von Johann Wolfgang von Goethe sprechen.

Ich werde langsam und deutlich sprechen, und eine alltägliche Sprache benutzen, um das Gedicht zu erklären.

Das Hörprogramm hat drei Teile.

Im ersten Teil des Programms werde ich das Gedicht langsam vorlesen.

Dann, im zweiten Teil des Programms, werde ich die Vokablen des Gedichts erklären.

Am Ende des Programms, im vierten Teil, werde ich das Gedicht im schnelleren Tempo wieder vorlesen.

Wandrers Nachtlied von Johann Wolfgang von Goethe

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Nun, ich werde jetzt den Text erklären.  Ich werde jedesmal eine Zeile des Gedichts lesen, und dann die Vokabeln jener Zeile erklären.

Ich fange aber bei dem Titel des Gedichts an.  Der Titel ist: Wandrers Nachtlied.  Was heißt das?

Ein Wanderer ist jemand, der zu Fuß auf Reisen geht.  Wenn man zu Fuß geht, aber nicht sehr weit, zum Beispiel nur in die Hauptstraße geht, dann sagen wir, man geht spazieren.  Aber wenn man sehr weit geht, z. B. auf das Land, oder von einer Stadt zur anderen, dann wandert man.

Das Wort ,Nacht’ kennst du schon.  Wenn der Tag vorüber ist, und die Sonne untergeht, dann wird es Nacht.

Das Wort ,Lied’ kennst du vielleicht auch.  Ein Lied ist etwas, was man singt.  Es hat einen Text, und eine Melodie; es kann auch einen oder mehrere Kehrverse oder Refrains haben.

Aus dem Wort ,Nacht’ und dem Wort ,Lied’ macht Goethe das zusammengesetze Wort Nachtlied — also ein Lied über die Nacht, oder ein Lied, das man zur Nacht singt.

Der ganze Titel, ,Wandrers Nachtlied‘ würde dann heißen, ein Lied, das ein Wanderer singt, wenn es Nacht ist.

Ich gehe jetzt zu der ersten Zeile über.  Die erste Zeile lautet so:

»Über allen Gipfeln«

Ich glaube, du verstehst die ersten zwei Worte, »über allen«.  Was sind aber »Gipfeln«?  Nun, der Gipfel ist der höchste Punkt auf einem Berg.  Man spricht auch von der Bergspitze.

Bergsteiger, wie Edmund Hillary, der Mann, der mit Tenzing Norgay Mount Everest zum ersten Mal bestiegen hat, wollen immer den Gipfel eines Berges erreichen.  Das also ist der Gipfel, der höchste Punkt, oder die Spitze, eines Berges.

Goethe verwendet aber den Plural von Gipfel: er spricht in dem Text von »allen Gipfeln«.

Um zu verstehen, was er hier meint, müssen wir zur zweiten Zeile übergehen, denn das erste Satzglied endet erst in der zweiten Zeile.

Die zweite Zeile lautet so:

»Ist Ruh«.

Nehmen wir die zweite Zeile zusammen mit der ersten, so haben wir:

»Über allen Gipfeln ist Ruh«.

Das Wort »Ruh« ist eine Abkürzung.  Es ist eine kürzere Form von dem Wort »Ruhe«.  Das machen die Dichter manchmal, sie verwenden kürzere Formen der Wörter, denn manchmal passt ein Wort mit weniger Silben besser ins Gedicht.  »Ruhe« hat zwei Silben: »Ruh-e«; man sagt, das Wort ist zweisilbig.  »Ruh« aber ist nur einsilbig.

Was heißt aber »Ruhe«?  Na, wenn du viel gearbeitet hast, zum Beispiel wenn du lange auf deiner Querflöte geübt hast, dann musst du aufhören zu spielen und dich erholen.  Dein Körper tut weh.  Man sagt, er — dein Körper — braucht Erholung, oder er braucht Ruhe.

Ruhe gibt es also überall, wo es keine Bewegung gibt.

Das ist die eine Bedeutung von »Ruhe«: der Entzug von Bewegung.  Es gibt aber auch eine zweite Bedeutung.

Man sagt auch, es gibt Ruhe, wenn es nichts gibt, was man hören kann, also wenn es still oder ruhig ist.  Ruhe heißt also Stille.

Du siehst wohl, dass die zwei Bedeutungen von Ruhe verwandt sind.  Bewegungen bringen oft Geräusche mit sich.  Also wo es Bewegung gibt, gibt es oft keine Stille.  Und wo es keine Bewegung gibt, gibt es oft sowohl Ruhe, im Sinne von Stille, als auch Ruhe, im Sinne von »keine Bewegung«.

Und in dem Text ,Wanderers Nachtlied‘ spielen beide Bedeutungen eine Rolle.

»Über allen Gipfeln ist Ruh« — heißt etwa: es ist ruhig über den Gipfeln der Berge, aber auch: es gibt dort keine Bewegung.

Die dritte Zeile lautet so:

»In allen Wipfeln«.

Der Dichter benutzt das Wort »Wipfeln«.  Wipfeln sind schon wieder eine Art Spitze.  Diesmal aber bedeutet das Wort nicht die Spitzen der Berge, sondern die Spitze der Bäume.  Man spricht auch von Baumspitzen oder Baumkronen.

Die Worte in der dritten Zeile, »in allen Wipfeln,« sind wieder nur ein Teil vom ganzen Satzglied.  Es geht weiter in den vierten und fünften Zeilen.  Ich lese also die dritte, die vierte und die fünfte Zeile zusammen:

»In allen Wipfeln / Spürest du / Kaum einen Hauch.«

Das Verb ist »spüren«.  Spüren heißt etwa »fühlen«.  Fühlen kannst du äußere Dinge, die deine Haut berühren; zum Beispiel, du kannst mit den Fingern fühlen, ob ein Ding warm oder heiß ist.  Aber man benutzt auch das Wort fühlen, wenn man von innere Zustände spricht.  Du kannst Angst, oder  Schmerz, oder Liebe in dir selbst fühlen.

Spüren ist ähnlich wie fühlen.  Du kannst innere Zustände deiner Selbst spüren, zum Beispiel spüren, dass du Angst oder Hunger hast.  Du kannst auch äußere Dinge spüren, zum Beispiel den Wind in deiner Haare.

Es gibt doch einen kleinen, aber wichtigen Unterschied zwischen »spüren« und »fühlen«.  Diesen Unterschied kann man verstehen, wenn man das Phänomen der Jagd betrachtet.

Besonders in früheren Zeiten sind der König und seine Ritter auf Jagd gegangen.  Sie haben ihre Hunde mitgenommen und sind in den Wald gegangen, um Tiere wie Wildschweine zu fangen.  Das tun heute noch reiche Leute in Großbritannien: sie jagen Füchse.

Nun, wenn man auf die Jagd geht, weißt man am Anfang nicht, wo die Wildschweine oder wo die Füchse sind.  Man bringt deshalb seinen Jagdhund mit, der eine sehr feine Nase hat, und sehr gut riechen kann.  Der Hund sucht nach den Spuren vom Wildschwein oder vom Fuchs.  Diese Spuren sind die Zeichen, die bleiben, wo das Tier vorbeigegangen ist.  Diese Zeichen können Fußabdrücke, oder Gerüche sein.  Wenn der Hund diese Spuren, diese Zeichen vom Fuchs sucht, wenn er zum Beispiel mit seiner feinen Nase nach dem Geruch des Fuchses riecht, so sagt man, das er nach dem Fuchs spürt.  Man benutzt also das Wort »spüren«, um dieses suchende Riechen des Hundes zu bedeuten.

Diese Bedeutung schwingt in dem anderen Gebrauch von dem Wort »spüren« mit.  Spüren heißt fühlen, aber das Wort impliziert, dass das Fühlen nicht von selber geht, sondern dass das Fühlen vom Ding etwas Mühe brauchen kann, dass es ein suchendes Fühlen ist.

Erinnern wir uns an den Text.  Er lautet so:

»In allen Wipfeln / Spürest du / Kaum einen Hauch.«

»Kaum einen« bedeutet »fast keinen«.  Du magst ihn suchen, aber du wirst fast keinen Hauch zu fühlen bekommen.  Nun, ein Hauch ist eine leichte Bewegung der Luft.  Diese Luft kann aus deinem Mund oder deiner Nase als ein leichtes Ausatmen kommen.  Der Wind aber ist auch eine Luftbewegung.  Wenn der Wind sehr stark ist, beschreibt man ihn nicht als einen Hauch, doch wenn er ganz, ganz sanft ist, so sanft wie dein Atmen, so kann man ihn dann als einen Hauch beschreiben.

Die sechste Zeile lautet so:

»Die Vögelein schweigen im Walde.«

Ein Vogel ist ein Tier, mit zwei Beinen und zwei Flügeln.  Weibliche Vögel legen Eier, und die meisten Vögel können fliegen.  Manche Vogelarten, wie die Hühner, fliegen nicht so gern; andere, wie Schwäne, schwimmen auf das Wasser.  Ein Vöglein ist ein kleiner Vogel.  Beachte aber, dass auch hier Goethe die normale Silbenzahl des Wortes ändert.  Zwischen Vög- und -lein schiebt er ein ‘e’ hinein, damit das Wort dreisilbig wird: Vö-gel-lein.

Goethes Vögelein sind im Walde.  Der Wald ist eine Gegend, wo sehr viele Bäume nebeneinander wachsen.  Ein Wald ist immer Heimat für viele Tiere, wie zum Beispiel Vögel, aber auch Säugetiere und Reptilien.  Manche Leute, wie zum Beispiel Goethe selbst, wandern gern in Wäldern.

»Die Vögelein schweigen im Walde«, lautet das Gedicht.  Schweigen ist ein Verb, und ein interessantes Wort.  Es gibt kein ähnliches Verb im Englischen, denn schweigen hat nur eine negative Bedeutung, und heißt: nichts sagen, stumm bleiben.  Auch die Vögelein in dem Gedicht sind also ganz ruhig.

Die siebte Zeile lautet so:

»Warte nur, balde«

Ich glaube, du kennst schon das Verb »warten«.  Wenn wir uns in einem Restaurant treffen wollen, und ich mich verspäte, dann musst du auf mich warten.  Hier in dem Gedicht  steht das Verb »warten« in der Befehlsform, im Imperativ: »warte«.  Das Gedicht spricht zu dem Leser: der Leser soll warten.  Auf was sollen wir warten?  Die Antwort kommt nicht, bis wir die nächste Zeile lesen.  Auf diese Antwort müssen wir also jetzt warten.

Ich glaube, du kennst schon das Wort »nur«.  Es bedeutet »nicht mehr als«.  Der Leser soll nur warten, er soll nicht mehr tun, als warten.

Das letzte Wort in der Zeile ist »balde«.  Noch einmal wählt Goethe die zweisilbige Form von einem Wort, das normalerweise einsilbig ist.  Das Wort »bald« ist eine Zeitangabe.  Etwas, das »bald« kommen wird, wird in der nahen Zukunft kommen.  Das heißt, man wird nicht lange warten müssen, bevor es kommt. 

Endlich wollen wir doch die Antwort zu der Frage wissen: worauf sollen wir warten?

Ich lese also die siebte und die achte Zeile zusammen.  Sie lauten so:

»Warte nur, balde / Ruhest du auch.«

Das Nomen »Ruh« haben wir schon kennengelernt: es hieß  »Stille«, aber auch »ohne Bewegung«.  Das Wort »ruhen« ist das entsprechende Verb.  Manchmal sagt man, statt das Wort »Verb«, das Wort »Tunwort«.  Ein Verb, sagt man, steht für etwas, was man tut.  Was aber tut man, wenn man ruht?  Die Antwort lautet: nichts!  Ruhen heißt eben nichts tun, ohne Bewegung sein.  Der Leser, sagt das Gedicht, braucht nur zu warten; er wird bald ohne Bewegung sein.

Jetzt möchte ich das Gedicht in etwas schnellerem Tempo lesen.

Wanderers Nachtlied, von Johann Wolfgang von Goethe.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

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